Sonntag, 23. Juli 2017

Üble Überraschungen

Es gibt eine Menge lieber Menschen, die es mit uns einfach nur gut meinen. Sie fragen sich ganz bestimmt intensiv, was uns trösten könnte...

Nein, es ist nicht der Blumenstrauß oder die Pralinenpackung, nein. Es sind z.B. die Fotos von unseren Liebsten, die plötzlich auf dem Tisch liegen oder Ton- u d Filmdokumente, die wir vielleicht noch nie oder ewig nicht gesehen haben.

Sie sollen eigentlich trösten, aber - überraschend aufgetaucht - erreichen sie bei mir das Gegenteil: Sie hauen mich erst einmal um. Mit den folgenden Tränen muss das Gegenüber erst einmal zurechtkommen, und das ist gut so.

Also, ihr Lieben, kündigt eure wohlgemeinten Überraschungen erst einmal an und lasst die Trauernde/ den Trauernden selbst entscheiden, ob sie dies oder jenes sehen wollen oder können.

Danke.

 

Freitag, 21. Juli 2017

Buchtipp

Achja, es gibt viele, und sicher ist dieses auch nicht für jeden bzw. jede etwas, aber ich finde es gibt einige gute Erklärungen für eigene Eindrücke, die einen fühlen lassen, dass man nicht allein ist...

Option B: Wie wir durch Resilienz Schicksalsschläge überwinden und Freude am Leben finden

  

Der Blick ins Buch lohnt sich schon einmal...

 

Mittwoch, 6. April 2016

Witwengesetz Nr. 5


Natürlich fände es dein Umfeld gut, wenn es dir möglichst bald besser geht. Dementsprechende Fragen werden dir immer wieder unterkommen, und dir kann das tatsächlich so langsam auf den Wecker gehen... "Geht's dir schon besser?" ... "Bist du langsam drüber weg?" usw..
Nein, du bist nicht dafür verantwortlich, dass es diesen Fragenden gut geht und sie erleichtert ihren sorgenvollen Gesichtsausdruck in die Ecke stellen können.

"Es muss dir nicht gut gehen."


Das ist das Gegenteil von Nr. 4 - richtig! Es gibt keine Logik in der Trauer, keinen "normalen" Ablauf. Deshalb sind wir wohl die unbekannten Wesen, die man nicht einschätzen kann, und deshalb wagen sich so viele aus unserem "vorigen" Umfeld wenig bis gar nicht an uns heran.

Hey, ein paar Tränen von werden unsere Lieben wohl ertragen können, oder was meint ihr Helfenden, die ihr den Schritt auf uns zugewagt habt?
Eben, begleitet uns ruhig. Wir sind für uns selbst genauso unbekannt wie für euch auch. Es ist doch schön, wenn auch Tränen dazugehören können. Die gehören zum Leben und allem anderen dazu. Nehmt unsere Hände und drückt sie, und alles ist wenig schlimm...

Dienstag, 1. März 2016

Witwengesetz Nr. 4

Ohje, du bist Witwe... da muss es dir ja schlecht gehen. Nein...

"Es muss dir nicht schlecht gehen."


Du darfst gute Laune haben, dich freuen und lauthals lachen, sogar wenn man dich mitleidig anschaut, was dazu einlädt Ähnliches zu tun.

Jeden Tag pellst du dich aus dem Bett, bringst den Tag hinter dich mit x Gedanken an dein Liebstes, das nicht mehr da ist und sollst dann noch die Erwartungen anderer mit einbeziehen, damit du so bist, wie eben jene es erwarten? - Nein. Wage ein Lächeln, wage ein Lachen.

Hey, wir hatten doch auch schöne Zeiten mit dem Liebsten, die uns tatsächlich immer noch amüsieren. Ist das nicht schön? Freut euch offen drüber, sprecht darüber, wenn euch danach ist.

Los!

Sonntag, 14. Februar 2016

Witwengesetz Nr. 3

   

"Wir müssen nichts"



Lehn dich zurück, wenn dich das Gefühl überkommt, dass du noch dieses oder jenes tun oder erledigen müsstest. Unser Alltag ist kompliziert und schwer genug, da können wir nicht noch - oft selbstgemachten - Druck gebrauchen.

Wir müssen zunächst einmal gar nichts und dürfen (fast) alles.

Spülmaschine, Müll, Anrufe, vermeintliche Verpflichtungen - alles kann warten. Am besten erledigen sich die Dinge dann, wenn es Witwe oder Witwer gerade danach ist oder sie das Gefühl haben, jetzt in diesem Moment geht es gerade gut und passt. Da wird  dann eben der Müll auch mal erst um ein Uhr nachts raus gebracht.

Dienstag, 9. Februar 2016

Witwengesetz Nr. 2

Nach einiger Erfahrung in unserem neuen Dasein haben wir festgestellt, dass immer wieder Sätze auftauchen, die es wert sind zu Gesetzen zu werden:

"Keine Kompromisse!"


Angst davor? Nein, das kann man doch nicht machen! Man muss doch an die anderen denken...
Halt! Steckt ihr nicht grade in einer Zeit, die euch sehr zu schaffen macht, und das nach einer Zeit, die noch viel schlimmer war?

Irgendwo und irgendwann muss das doch aufhören... oder nicht? Hey, ist das, was ihr da macht, ein Leben, oder ist es nur ein Anpassen oder ein Abstrampeln, um den neuen Alltag zu bewältigen?

Ämter, Versicherungen, Banken, Gerichte - wer auch immer etwas von euch will, muss nicht immer sofort bedient werden. Wer für eure Situation kein Verständnis hat, muss eben ein wenig warten. Nehmt euch Zeit für Dinge, die euch wichtig sind - und nicht eurem Partner, der nun nicht mehr da ist. Ihr seid noch hier, nicht er bzw. sie!

Fahrt in Urlaub! Nein, nein, nicht nur für ein Wochenende.
Kauft euch etwas Schönes! Keine Angebote.
Verbringt einen Tag im Bett, wenn euch danach ist!
Geht in den Wald und schreit ganz laut!
Tankt Kraft!

Mit dieser seid ihr in der Lage nicht nur Nötiges zu schaffen, sondern auch einmal den Spieß umzudrehen. Verlangt auch einmal etwas von dem jeweiligen Gegenüber! Stellt alle Fragen, die ihr habt! Geht ihm ruhig auf die Nerven. So kommt zu eigener Sicherheit...

Montag, 1. Februar 2016

Witwengesetz Nr. 1


 "Wir geben unsere Freiheit nicht mehr her."



Besonders jene, die sich lange um ihren Liebsten/ihre Liebste gekümmert haben, können das sicherlich nachvollziehen.

Da ist nun niemand mehr, um den man sich Sorgen machen kann. Plötzlich merkt man, dass man das Leben wieder selbst in der Hand hat. Man kann selbst bestimmen, was man einkauft, ob man überhaupt einkauft, ob man diese oder jene Person sehen möchte, oder nicht. Lasst euch zu nichts drängen!

Es gilt nun das genießen zu lernen, denn an der Situation ist nun nichts mehr zu ändern. Wir bekommen die Liebsten nicht mehr zurück - das zu akzeptieren ist die Voraussetzung dafür, dass wir diese Freiheit genießen können.