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Dienstag, 10. Oktober 2017

Menschen, die es gut mit einem meinen: Drängler

Natürlich soll es uns möglichst bald wieder gut gehen, so dass wir frisch in die Zukunft schauen können. Das heißt aber nicht, dass wir nicht mehr an das ehemals Liebste denken, auch wenn man sich der Dinge, die ihm gehörten, größtenteils entledigt hat.
"Aus den Augen, aus dem Sinn!", gilt hier nicht.

Das braucht Zeit und keine Ungeduld.

Lasst uns das, was wir brauchen. Beobachtet und helft nur, wenn wir Trauernden darum bitten, denn wir sind dazu in der Lage. Dränge(l)n hat keinen Sinn. Man erreicht damit eher das Gegenteil. Wir fühlen uns eingeengt und beschnitten. Wir möchten uns nichts wegnehmen lassen, wenn uns das Leben schon so übel mitgespielt hat.

Lasst uns Zeit!

Mittwoch, 23. August 2017

Selbst werden

Grade bei langjährigen Partnerschaften fällt es dem Hiergebliebenen schwer, sich selbst aus eben jener "herauszuschälen".

Ohne diese Eigenständigkeit, die man erst einmal als solche erkennen und entdecken (sich selbst und seine ureigensten Wünsche und Bedürfnisse) muss, kommt man aus der Trauer nicht heraus. Findet heraus, was ihr mögt und was nicht. Vielleicht findet ihr heraus, dass es ganz andere Dinge sind, die ihr lange nicht gemacht habt, die euch aber Freude bringen. Macht genau das!

Schreibt euch eine Liste mit Aktivitäten, die euch Freude bringen, ganz allein euch. Es geht hier nicht um die Wünsche eures verstorbenen Partners oder jene eurer Freunde, die evtl. mitkommen könnten... ja, es ist eine Art Freischwimmen, die ihr da bewältigt.

Wenn ihr euch das jetzt vielleicht noch nicht vorstellen könnt, dann wartet ab, einen Monat, ein halbes Jahr, ein ganzes... kommt Zeit, kommt Freude wieder in euer Leben...

Donnerstag, 17. August 2017

Menschen, die es gut meinen: Kümmerer

Vielleicht ging es bei euch Knall auf Fall, und ihr wart plötzlich allein - da könnte euch die folgende "Spezies" wirklich helfen - zumindest eine Zeit lang...

der Kümmerer.

Es ist schön, wenn da immer jemand ist, dem man das Herz ausschütten kann oder der für einen einkaufen geht oder, oder, oder, doch eine gewisse Abhängigkeit kann darüber entstehen
Nein, schickt eure lieben Helfer und Schultern nicht weg, aber habt immer im Kopf, dass auch das Leben allein wieder gelernt werden kann und sollte. Wenn ihr irgendwann wieder selbst entscheiden wollt, solltet ihr irgendwann damit anfangen wollen... Dafür gibt es keine Richtzeitspanne. Das kann euch nur euer Gefühl sagen. Vielleicht möchtet ihr mal wieder allein zu Hause sein, allein einkaufen oder Ähnliches.
Habt keine Scheu dies euren Kümmerern zu sagen, und es wäre noch schöner, wenn sie eurem Wunsch erfreut und ohne das Gefühl des Weg-geschickt-Werdens entsprechen könnten.

Lasst euch nicht erdrücken...


Sonntag, 14. Februar 2016

Witwengesetz Nr. 3

   

"Wir müssen nichts"



Lehn dich zurück, wenn dich das Gefühl überkommt, dass du noch dieses oder jenes tun oder erledigen müsstest. Unser Alltag ist kompliziert und schwer genug, da können wir nicht noch - oft selbstgemachten - Druck gebrauchen.

Wir müssen zunächst einmal gar nichts und dürfen (fast) alles.

Spülmaschine, Müll, Anrufe, vermeintliche Verpflichtungen - alles kann warten. Am besten erledigen sich die Dinge dann, wenn es Witwe oder Witwer gerade danach ist oder sie das Gefühl haben, jetzt in diesem Moment geht es gerade gut und passt. Da wird  dann eben der Müll auch mal erst um ein Uhr nachts raus gebracht.

Dienstag, 9. Februar 2016

Witwengesetz Nr. 2

Nach einiger Erfahrung in unserem neuen Dasein haben wir festgestellt, dass immer wieder Sätze auftauchen, die es wert sind zu Gesetzen zu werden:

"Keine Kompromisse!"


Angst davor? Nein, das kann man doch nicht machen! Man muss doch an die anderen denken...
Halt! Steckt ihr nicht grade in einer Zeit, die euch sehr zu schaffen macht, und das nach einer Zeit, die noch viel schlimmer war?

Irgendwo und irgendwann muss das doch aufhören... oder nicht? Hey, ist das, was ihr da macht, ein Leben, oder ist es nur ein Anpassen oder ein Abstrampeln, um den neuen Alltag zu bewältigen?

Ämter, Versicherungen, Banken, Gerichte - wer auch immer etwas von euch will, muss nicht immer sofort bedient werden. Wer für eure Situation kein Verständnis hat, muss eben ein wenig warten. Nehmt euch Zeit für Dinge, die euch wichtig sind - und nicht eurem Partner, der nun nicht mehr da ist. Ihr seid noch hier, nicht er bzw. sie!

Fahrt in Urlaub! Nein, nein, nicht nur für ein Wochenende.
Kauft euch etwas Schönes! Keine Angebote.
Verbringt einen Tag im Bett, wenn euch danach ist!
Geht in den Wald und schreit ganz laut!
Tankt Kraft!

Mit dieser seid ihr in der Lage nicht nur Nötiges zu schaffen, sondern auch einmal den Spieß umzudrehen. Verlangt auch einmal etwas von dem jeweiligen Gegenüber! Stellt alle Fragen, die ihr habt! Geht ihm ruhig auf die Nerven. So kommt zu eigener Sicherheit...

Montag, 11. Januar 2016

Es schaffen (1)

Was heißt das für Witwen und Witwer?

Was heißt es für die, die sich um einen Vermissenden kümmern möchten?

Ja, eigentlich wollen wir alle "es schaffen". Dazu gehören:
  • das tägliche Aufstehen, was manchmal so nutzlos erscheint, weil jemand fehlt und alles in einem nach Ruhe schreit, anstatt sich mit dem Ganzen dort draußen auseinanderzusetzen

  • die ganz gewöhnliche Nahrungsaufnahme, über die man sich oftmals so gar keine Gedanken macht, sie schlicht vergisst und so, sich noch mehr schwächt, denn auch die Seele braucht Futter, und wenn es erst nur ein heißer Kakao mit Sahne ist (Kalorien sollten hier keine Rolle spielen, denn den Druck braucht man nich auch noch.)

  • der ganz gewöhnliche Haushalt, aufräumen, kochen, Wäsche machen, Staub saugen usw., denn auch dies kann gut auf der Strecke bleiben, weil es niemanden mehr gibt, für den oder mit dem man dies tun kann - also, wozu das Ganze? (Nein, es geht hier nicht um Vernunft!)

  • der ganze Papierkram, der auf einen einprasselt und locker zur Überforderung führen kann (Dazu wird hier sicher noch der ein oder andere Post auftauchen.), von Kontenlöschung bzw. -umschreibung, der Kampf mit Versicherungen, Telekommunikationsfirmen bis zu den Ämtern
Also, was unsere Unterstützer tun können:
  • anrufen
  • vorbeikommen
  • immer etwas zu trinken oder essen da haben und anbieten(!)
  • fall nötig, beim Aufräumen helfen
  • mit Rat und Tat zur Seite stehen oder zu einem Termin begleiten

Das ist jedoch nur ein Teil des großen Ganzen...